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Süddeutsches Münzsammlertreffen in Augsburg
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51. Süddeutsches Münzsammlertreffen in Augsburg 2016

Zum 51. Süddeutschen Münzsammlertreffen, das vom 28.Oktober bis zum 30. Oktober in Augsburg stattfand und vom Schwäbischen Münzclub ausgerichtet wurde, kamen über 60 interessierte Teilnehmer aus ganz Deutschland zusammen. Motivierte Vorträge und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm ließen die drei Tage zu einem gelungenem Treffen werden. Erfreulich, dass es dem Verein gelungen war, nicht nur organisierte Münzsammler als Teilnehmer zu gewinnen, sondern durch externe Werbung sich auch mehrere Besucher einfanden, die, ohne selbst Münzsammler zu sein, gezielt aus Interesse einen oder mehrere Vorträge besuchten und dadurch hoffentlich auch einen neuen Blick auf die Numismatik als Hilfswissenschaft der Geschichtskunde sowie zu unserem Hobby gewonnen haben.

Für die bereits am Freitag eingetroffenen Gäste stand zunächst der Besuch des Römischen Museums im Augsburger Zeughaus an. Nach einer Führung durch die didaktisch bestens aufbereitete Interimsausstellung der römischen Fund aus der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum traf man sich im ‚König von Flandern‘ zu geselligem Beisammensein und interessanten Gesprächen.

Am Samstag, nach Begrüßung der Gäste durch den Vorstand des Schwäbischen Münzclubs, Ernst Stempfle und Grußwort des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages a.D., Eduard Oswald, eröffnete Frau Dr. Barbara Simon als Präsidentin der DNG das 51. Süddeutsche Münzsammlertreffen.

Nach der Mittagspause stand zunächst ein Empfang im Fürstenzimmer des Augsburger Rathauses durch den Vertreter des Oberbürgermeisters Herrn Ordnungsreferenten Dirk Wurm an, es folgte die Besichtigung des prächtigen ‚Golden Saales‘ im ebenso beeindruckenden Rathaus. Für die Liebhaber von Münzen und Kunst folgte eine Führung im Maximilianmuseum zu der reichen Sammlung an Augsburger Silberarbeiten und mit einem Überblick über Münzen und Medaillen der Freien Reichsstadt. Den Abschluss des Abends bildete wieder ein gemeinsames geselliges Abendessen, diesmal im Restaurant des Zeughauses.
Am Sonntag wurden die noch anwesenden Gäste nach einer Stadtbesichtigung einschließlich Besuch der Fuggerei bei strahlendem Sonnenschein und gemeinsamen Mittagessen im Freien herzlich verabschiedet. (Abb. 2) Die vielen unaufgeforderten positiven Rückmeldungen und Danksagungen, sowohl zu Organisation wie zu Betreuung und Qualität aller Vorträge, waren willkommene Bestätigung für die Referenten sowie die Organisatoren des ausrichtenden Schwäbischen Münzclubs, gute Arbeit geleistet zu haben.


Vorträge


Hauptteil des Münzsammlertreffens waren selbstverständlich die Referate. Ein bestimmtes Thema war zwar nicht explizit gewählt worden, die Gemeinsamkeit der Vorträge sollte in ihrem Bezug zu Augsburg bestehen, stets aber weit über nur lokalhistorische Bedeutung ausgreifen.

 

Ulrichskreuze aus der Sammlung Friesenegger

 

Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. Erwin Naimer, Archivleiter des Bistums Augsburg. Sein Thema waren geschichtliche und kunsthistorische Bemerkungen zu den Augsburger Ulrichskreuzen.
Der Tag des Heiligen Laurentius, das ist der 10. August, des Jahres 955 stellt ein bedeutendes Datum der deutschen Geschichte dar – es ist der Tag der Schlacht auf dem Lechfeld. In dieser schlug König Otto I., der dann den Beinamen „der Große“ erhalten sollte, die Ungarn vernichtend. Damals regierte Bischof Ulrich, der spätere Heilige, das Bistum Augsburg. Er entstammte dem alemannischen Hochadel und wurde um 890 geboren. Seine Ausbildung erhielt er im Kloster St. Gallen. Am 28. Dezember 923 erfolgte die Weihe zum Bischof von Augsburg, das Bistum hatte er bis zu seinem Tod am 4. Juli 973 inne. Er gilt als tatkräftige Persönlichkeit, die Bedeutendes im Dienste der Kirche, aber auch des Herrschers leistete. Um 983, möglicherweise zur Vorbereitung einer Heiligsprechung, verfasste der Augsburger Dompropst Gerhard eine Lebensbeschreibung Ulrichs. Nach dieser kämpfte der Heilige nicht selbst in der Schlacht mit, sondern blieb in Augsburg, um die Stadt zu verteidigen. Damit band er wohl ungarische Kräfte und es kommt ihm so ein Anteil am Sieg zu. Dagegen lassen spätere Legenden Ulrich aber an der Schlacht teilnehmen und er sollte sogar vor dem Kampf von einem Engel ein kleines Kreuz als Zeichen des Sieges erhalten haben. Nun gibt es in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg tatsächlich ein kleines Holzkreuzchen unbestimmten Alters in annähernd der Form eines „Tatzenkreuzes“, das traditionellerweise als Kreuz des Heiligen Ulrich angesehen wird. Für dieses Kreuz wurde, so die Zuschreibung durch die Kunstgeschichte, um 1320/30 ein wenig größeres Silbergehäuse, das Spuren von Vergoldung trägt, hergestellt. Auf der Vorderseite trägt es die Aufschrift: „CRUX VICTORIALIS S[AN]CTI VDALRICI E[PISCO]PI AV[GVSTENSI]S“ – also: Siegeskreuz des Heiligen Ulrich, Bischofs von Augsburg. Für dieses Gehäuse mit den Holzkreuzchen fertigte Nicolaus Seld 1494 ein weiteres, sehr kostbares Gehäuse an, das auf der Rückseite die Schlacht auf dem Lechfeld mit dem Hl. Ulrich, der von einem Engel das Ulrichskreuz erhält, zeigt.
Der Heilige Ulrich ist Schutzheiliger von Stadt und Bistum Augsburg; er ist der Winzer-, Wetter-, Reise- und Wasserpatron und der Schutzheilige der Fischer. In vielfältigen Anliegen wurde und wird er um Hilfe angerufen. Sein Grab entwickelte sich zur Wallfahrtsstätte, von wo man Ulrichserde, Sargholz oder Ulrichskreuze mit nach Hause nahm. Diese Ulrichskreuze sind meist dem Gehäuse von 1320/30 nachempfunden; sie haben üblicherweise die Form eines Tatzenkreuzes, selten auch einer Medaille und sind vorwiegend aus Messing oder Silber gegossen oder geprägt. Sie wurden am Original berührt und dienten als Wallfahrtsandenken, als Erinnerungszeichen an verdiente Äbte oder besondere Gedenktage, als Taufgeschenk, als Amulett gegen Krankheiten und Kriegsgefahren und als Grabbeigaben. An Dachstühle oder Hauswände genagelt sollten sie Viehkrankheiten, Unwetter und Zauberei abwenden. Zum Schutz gegen Mäuse vergrub man sie in Feldern, wo sie heute noch gelegentlich gefunden werden. Möglicherweise fertigte man bereits 1570 eine erste solche Nachbildung; ab der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgte die Herstellung der Kreuze in großer Stückzahl, anscheinend auch auf Vorrat. Sie wurden meistens wohl verkauft und gelegentlich vermutlich auch verschenkt; Verbreitung fanden sie im gesamten damaligen süddeutschen Raum, doch mag das eine oder andere auch darüber hinaus gelangt sein.

 

Entwurf und Ausführung von Münzen und Medaillen

Anschließend besprach der Augsburger Künstler Friedrich Brenner, Medailleur und Münzgestalter, kurz seinen künstlerischen Werdegang und erläuterte dann  seine Gedanken und Ideen bei den von ihm geschaffenen Kunstmedaillen und Münzen.
Der Zugang zu modernen Medaillen und teils auch der gegenwärtigen deutschen Euromünzen fällt vielen Sammlern leider schwer. Herrn Brenner gelang es auf sehr persönlicher Art und Weise, dem Zuhörer diesen Zugang aufzuzeigen. Möglicherweise sieht nun mancher Sammler Medaillen der Gegenwart mit anderen, aufnahmefähigeren Augen, und eventuell hat der eine oder andere nun ein neues Sammelgebiet gefunden. Auch bezüglich der Gestaltung seiner häufig prämierten und zur Ausprägung gekommenen Gedenk- und Umlaufmüzen zeigte er den oft schwierigen, schlussendlich aber eben auch oft erfolgreichen Weg von der ersten Idee bis zum endgültigen Entwurf anhand vieler Beispiele. Die Episode, als ein Familienmitglied zu seinen ersten Entwurf zur Gedenkmünze ‚Mittelrheintal‘, ein wahrlich sperriges Thema, anmerkte, der Rhein sähe hier aus wie eine Autobahn, brachte Brenner dazu, den Entwurf zu vernichten und einen neuen Versuch zu wagen. Der neue Entwurf wurde ausgezeichnet, das Ergebnis kann als 100 €-Münze bewundert werden. Beim Entwurf zur 20 € Münze 1916 Otto Dix hat auch der Zufall etwas mitgeholfen, als beim Auswerten möglicher Bildmotive der Computer plötzlich zwei Bilder überlagerte, und dieses Doppelbild Brenner zum Entwurf der Münzvorderseite inspirierte. Insgesamt ein lebendiger, sehr persönlich gehaltener Vortrag, der die Besucher überraschte und beindruckte.

 

Spurensuche nach Raetien auf römischen Münzen

Augsburg, das römische Augusta Vindelicum, wurde unter Kaiser Trajan Hauptstadt der Provinz Raetien, und Prof. Johannes Nollé, Deutsches Archäologisches Institut, stellte in seinem Referat deshalb auf Raetien Bezug nehmende römische Münzen vor.
Wenn auch Rätien nur einmal direkt auf den Münzen der Römischen Reichsprägung erwähnt wird – nämlich auf Aesprägungen, die an die Musterung der rätischen Truppen durch Kaiser Hadrian im Jahre 122 n . Chr. hinweisen –, so gibt es dennoch zahlreiche römische Geldstücke, die mit
Rätien zu tun haben und die Bedeutung der Provinz spiegeln. Auf die Eroberung des westlichen Alpenraumes im Jahre 15 und damit die Grundlegung der Provinz Rätien spielen Denare und Aurei des Augustus an, die meist zwei Soldaten, seltener einen Soldaten zeigen, die die  mit Lorbeer umkränzte Nachricht vom Erfolg seiner Stiefsöhne dem Augustus überbringen. Diese Münze ist Teil einer groß angelegten Propaganda, in die sogar der römische Dichter Horaz eingespannt wurde und die auch in dem riesigen Denkmal von La Turbie oberhalb von Monacco seinen Niederschlag gefunden hat. Der Alleinherrscher gewordene Septimius Severus (193-211) ehrt mit  einer Legionsmünze die im rätischen Regensburg stationiert Legio III Italica, die im Bürgerkrieg des Jahres 193 n. Chr. treu zu ihm stand. Mit dem Aufenthalt des Caracalla (211-217) in Raetien im Jahre 213 sind Münzen in Verbindung zu bringen, die seinen Siegernamen Germanicus anführen.
Wahrscheinlich stattete der psychosomatisch erkrankte Kaiser damals auch dem Grannus-Heiligtum im rätischen Faimingen einen Besuch ab. Unter Gallienus (253-268) wurde mit einer Münze erneut die Regensburger Legio III Italica gefeiert, die auf dem Höhepunkt der Reichskrise treu zu Gallienus stand.
Es ist zu hoffen, dass Prof. Nollé diesen Vortrag als erweiterte Fassung veröffentlicht, denn nicht nur das Thema verdient dies, sondern auch eine wichtige neue Erkenntnis zu einer der vorgestellten Münzen, Näheres sei dieser Veröffentlichung vorbehalten.

 

Karl Goetz als Unternehmer

Am Nachmittag begann Herr Dr. Markus Wesche, Bayr. Akademie der Wissenschaften, mit einem Vortrag zu Karl Goetz. Der Bezug zu Augsburg mag manchem Sammler zunächst nicht erkennbar sein, gilt Goetz doch zu Recht als Münchner Medailleur. Karl Goetz ist aber in Augsburg geboren, hat dort das Graveurhandwerk bei Dominal gelernt und in seinen privaten Medaillen stets auf seine Herkunft aus Augsburg hingewiesen, zumeist mit der Darstellung des Pyrs, dem Wappenzeichen der Stadt Augsburg.
Karl Goetz (1875-1950), der sich nach einem beruflichen Werdegang von der Schweiz über die Niederlande nach Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts in München niederließ, wurde durch seine die Zeitläufte satirisch begleitende Serie von Gussmedaillen zwischen 1914 und 1924 zu einem der berühmtesten Medailleure der Geschichte. Sein florierendes auf ein betuchtes Publikum bürgerlicher Sammler zielendes Werk sorgfältig hergestellter Gussmedaillen war jedoch nach der Inflation von 1923 nicht mehr lukrativ, sodass Goetz seine Geschäftsstrategie zugunsten preiswerterer Prägemedaillen änderte. Wenngleich ein Nachlass nicht mehr zur Verfügung steht, lassen sich doch viele Facetten durch die Abrechnungen mit dem Bayerischen Hauptmünzamt München sichtbar machen: Prägezahlen und Prägefrequenz, Entstehungsdaten korrigierend zum Kienast-Katalog, die Konjunktur der Goldabschläge und der Profit des Medailleurs. Goetz wurde 1928 mit seiner Dürer-Medaille und Medaillen zu WW I-Fliegerassen und Luftschiffen ein gemachter Mann.
Auch hier gilt, dass dieses Referat es verdient, veröffentlicht zu werden, behandelt es doch einen ganz speziellen Aspekt zur Geschichte der Goetzmedaillen und zum Medailleur.

 

Der Schatzfund von Waal

Frau Alexandra Hylla M.A., Staatl. Münzsammlung München, beendete die Reihe der Referate mit einem Überblick zum Fund von Waal. Dieser gewaltige Schatzfund, den die Staatliche Münzsammlung München erwerben konnte und der nun von Frau Hylla ausgewertet wird, enthielt fast 8000 Augustenses, die zur Zeit des regionalen Pfennigs den Geldumlauf in Ostschwaben beherrschende Währung.  
Hauptproduzent waren die Bischöfe von Augsburg, und deren Reihe beginnt mit Dünnpfennigen Bischof Konrads (1150–1167), darunter ein bisher unbekannter Pfennig sowie etliche Varianten. Von Bischof Udalschalk (1184-1202) finden sich zunächst ebenfalls mehrere Dünnpfennige, ein unedierter Pfennig und neue Varianten (Abb. 7), dann die ersten Brakteaten. Die letzte im Fund enthaltene bischöfliche Münze ist ein Brakteat von Bischof Hartwig II. (1202-1208).
Neben den Bischöfen prägten auch die staufischen Könige in ihren Münzstätten Donauwörth und Schongau. Ihre Münzreihe im Schatzfund beginnt mit Dünnpfennigen aus der Zeit Heinrich VI. (1169 – 1197), es folgen Brakteaten bis in die Zeit Friedrich II. (1215-1220), abgebildet ist eine bsonders schön geschnittene Auswurfsmünze zur Hochzeit Philipps von Schwaben mit Irene von Byzanz anlässlich  ihrer Hochzeit 1197 in Augsburg (Abb. 8). Unediert sind ein Pfennig mit Königspaar (Philipp und Irene ?), wohl um 1200 sowie ein Pfennig von König Philipp (1198–1208).

Weiters haben auch die Herzöge von Schwaben auf Augsburger Schlag gemünzt und so finden sich zunächst wieder Dünnpfennige im Fund, besonders interessant sind neue herzogliche Parallel- oder Gemeinschaftsprägungen zum Bischofspfennig Steinhilber 54, sowohl mit Brustbild als auch mit schreitendem Herzog aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts, dann Brakteaten, darunter ein bisher unbekannter mit dem Bild eines Löwen. Für den schon bisher stets unter Vorbehalt Schongau mit Welf VI. als Münzherr zugeschriebenen Dünnpfennig mit einem als Löwen gedeuteten Münzbild (Steinhilber 97 u. 98) zeigten die vorgestellten gut ausgeprägten Exemplare nun deutlich ein Mischwesen mit zurückgewendetem menschlichen Antlitz und auf der Rückseite eine Herzogsdarstellung, damit wird eine welfische Prägung unwahrscheinlich.
Der Fund wird von Frau Hylla noch bearbeitet, es konnten deshalb nur Zwischenergebnisse und offene Fragen angesprochen werden. Die Fundbearbeitung könnte, neben der Katalogisierung der neuen Münztypen und ev. Neuordnung der bereits bekannten Münzen, möglicherweise die Zuordnung der königlichen Prägungen zu den Münzstätten Donauwörth oder Schongau verbessern sowie auch eine Neuordnung der herzoglichen Prägungen bringen. Der Fund von Waal mit seinem großen Umfang an verschiedenen Münztypen, vielen unedierten Münzen und Varianten, einem doch überschaubaren Zeithorizont, der auch den Übergang von der Dünnpfennigprägung zur Brakteatenprägung umfasst, bietet dafür genügend Material. Auf die Veröffentlichung dieser Ergebnisse dürfen sich alle Mittelaltersammler freuen.                                                     Ernst Stempfle